MEINE REISE ZUM TANZ

Ich war eines dieser Kinder, die den Sportunterricht nie mochten. Während ich in meiner Freizeit gerne draussen herumlief, hatte ich nie eine gute Koordination. Ich fiel über den Fussball, anstatt ihn zu kicken, knallte mit dem Kinn auf mein Knie, wenn ich einen Salto auf dem Trampolin versuchte und hatte keine Kraft in den Armen oder Flexibilität in den Gelenken. Ausserdem bekam ich immer einen knallroten Kopf, wenn ich Sport machte, was mir immer zutiefst unangenehm war.

Ich bewunderte die sportlichen Mädchen, beneidete sie um ihre Fähigkeit, schwerelos zu turnen, ihre Flick-Flacks und Spagate zu machen, mich in ihrem Körper sicher zu fühlen. Ich war ein schüchternes Kind, verkopft und fühlte mich unwohl in meiner Haut, und so unkoordiniert zu sein, trug nicht gerade dazu bei, Vertrauen in meinen Körper zu entwickeln.

Als ich ein Teenager war, bekam ich eine neue Sportlehrerin. Sie war toll: Anstatt uns anzutreiben, schneller zu laufen und komplizierte Gymnastik zu machen, brachte sie uns in der Turnstunde klassische Tänze bei. Ich merkte, dass die Bewegung zur Musik alles veränderte. Ich spürte, wie sich mein Körper den Bewegungen anpasste. Es machte Spass. Und zum ersten Mal wollte ich besser werden. Von diesem Moment an änderte sich mein Verhältnis zum Sport. Ich fürchtete mich immer noch vor dem Sportunterricht, wenn Geräteturnen angesagt wa, aber die in meinem Gehirn eingravierte Wahrheit "Sport ist böse" begann zu erodieren.

 
belly dance happiness
 
Ich liebte den Moment, in dem eine Bewegung von bewusst und schwierig zu natürlich wurde. Am meisten liebte ich es, zu lernen, mich durch den Tanz auszudrücken, meinen eigenen Rhythmus zu finden.
 

WIE EIN NEGATIVES SELBSTBILD MICH ZURÜCKHIELT

Als ich mit dem Studium an der ETH anfing, probierte ich Aerobic und Yoga aus, und fing an zu joggen, was ich früher doof fand. Und ich bekam immer noch jedes Mal einen hochroten Kopf, aber es machte mir langsam immer weniger aus. 

Die ganze Zeit über blieb mir meine Erfahrung mit dem Tanzen im Hinterkopf. Aber ich hatte immer noch Angst davor, mich zu einem richtigen Tanzkurs anzumelden. Mein Selbstbild des unbeholfenen, unkoordinierten Kindes hielt sich noch immer hartnäckig. Wie sollte ich meinen Platz neben den anmutigen, schlanken und selbstbewussten Tänzerinnen finden? Irgendwann sprang ich über meinen Schatten und versuchte mein Glück in einem Modern-Dance-Kurs. Während die Grundlagen Spass machten, fühlte ich mich fehl am Platz. Sobald die fortgeschritteneren Bewegungen begannen, die Beweglichkeit erforderten, wurde mir klar, dass ich dort nie zu Hause sein würde. Nach ein paar Wochen hörte ich auf.

 
 
Der Tanz half mir, mich endlich in meinem Körper zu Hause zu fühlen. Frieden mit seinen Fehlern und Grenzen zu schließen und stolz auf seine Fähigkeiten zu sein.
belly dance confidence
 

WIE BAUCHTANZ MEIN SELBSTVERTRAUEN GESTÄRKT HAT

Aber tief drin wusste ich immer noch, dass Tanzen etwas war, das zu meinem Kern gehörte. Als eines der wenigen anderen Mädchen in meinem Ingenieurskurs mir von ihrem orientalischen Tanzkurs erzählte, war mein Interesse geweckt. Ein Tanzkurs, in dem jeder willkommen ist? Wo Kurven akzeptiert werden? Wo ich nur unter Frauen sein würde, als Kontrast zu meinem männerdominierten Studienfach? Wo Flexibilität nicht die Hauptanforderung ist? Ja, bitte! 

Und so nahm meine Tanzreise ihren Lauf. Ich meldete mich zu meinem ersten Einführungskurs bei ZeoT an und war hin und weg. Ich mochte die Musik, die geduldigen und lustigen Lehrer und die neue Art der Bewegungen. Ich war nie an der Spitze meiner Klasse, nie die schnellste Schülerin, aber ich freute mich auf jede einzelne Stunde. Ich liebte es, meinen Körper auf neue Weise zu bewegen. Ich liebte es zu spüren, wie sich Muskeln entwickelten, von denen ich nie wusste, dass ich sie hatte. Ich liebte es, meine Fortschritte zu sehen. Ich liebte den Moment, in dem eine Bewegung von bewusst und schwierig zu natürlich wurde. Am meisten liebte ich es, zu lernen, mich durch den Tanz auszudrücken, meinen eigenen Rhythmus zu finden.

 
belly dance on stage
 
Es ist meine grösste Freude, jemanden aufblühen zu sehen, von den ersten zaghaften Schritten bis zu selbstbewussten Bewegungen.
 

ANDERE DURCH TANZ ZUM STRAHLEN BRINGEN

Der Tanz half mir, mich endlich in meinem Körper zu Hause zu fühlen. Frieden mit seinen Fehlern und Grenzen zu schließen und stolz auf seine Fähigkeiten zu sein. Es half mir sogar, meine Schüchternheit zu überwinden, auf die Bühne zu gehen und vor Fremden zu tanzen.

Das war es, was mich schliesslich dazu motiviert hat, Lehrerin zu werden. Es ist meine grösste Freude, jemanden aufblühen zu sehen, von den ersten zaghaften Schritten bis zu selbstbewussten Bewegungen. Und obwohl ich auf alle meine Schüler stolz bin, bin ich insgeheim am stolzesten auf diejenigen, die so angefangen haben wie ich. Schüchtern, unsicher, ein wenig unbeholfen. Nach und nach trauen sie sich, mehr Raum einzunehmen, sie werden selbstbewusster, sie trauen sich, ein wenig aus dem auszubrechen, was ich ihnen sage, und finden schließlich ihren eigenen Weg, ihren Körper zu bewegen, frei und mit einem Lächeln im Gesicht. Es ist ein Privileg, Teil ihrer Reise zu sein.

 
belly dance confidence

2003 besuchte Karin ihre erste Orientalische Tanzstunde im ZeoT Zürich und hat seitdem nicht mehr aufgehört zu tanzen. Sie tanzt auch chinesischen und Bollywood-Tanz sowie verschiedene Fusionen. Neben ihrer Tätigkeit als Elektroingenieurin und Wissenschaftsautorin unterrichtet Karin jeden Dienstagabend Orientalischen Tanz im ZeoT Zürich.